Sprachen lernen in Zeiten von KI
KI-Anwendungen sind ein kontroverses Thema. Wenngleich die Meinungen darüber auseinandergehen, hat die Bemerkung eines früheren Ministerpräsidenten, dass das Erlernen von Fremdsprachen in Zeiten von KI doch überflüssig sei, vielerorts für Kopfschütteln gesorgt. Zurecht, zumal ein ehemaliger Lehrer es besser wissen sollte.
Entgegen der landläufigen Meinung können künstliche Intelligenzen nicht logisch denken. Sprachbasierte KIs beruhen auf Algorithmen. Diese errechnen, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein Wort im Internet auf das andere folgt. Jede KI ist nur so gut wie ihr Programmierer, weshalb Ungenauigkeiten und Falschinformationen an der Tagesordnung sind. Unter keinen Umständen dürfen Informationen der KI ungeprüft übernommen werden – insbesondere in hoch spezialisierten Bereichen. Anwendungen wie Chat-GPT weisen von sich aus auf ihre Fehleranfälligkeit hin. Sonst geht es einem wie der Polizeibehörde, die eine Beschlagnahmung rechtfertigen wollte und den zugehörigen Schriftsatz von der KI erstellen ließ. Offenbar wurde dieser nicht überprüft, denn es stellte sich heraus, dass die KI aus Gesetzen zitiert hat, die gar nicht existieren. Den Anwälten des Betroffenen fiel es natürlich auf. Das ist peinlich für die Polizei, denn ein so offensichtlicher Fehler hätte durch einfaches Gegenlesen vermieden werden können. An das menschliche Gehirn kommt die KI eben nicht heran.
Ähnlich verhält es sich mit Fremdsprachen. Schon einfache KI-Übersetzungen in weit verbreitete Sprachen führen einem die Unzuverlässigkeit vor Augen. Ein gehäuftes Auftreten von geradezu absurden Fehlern untermauert dies. Verwechslungen selbst offensichtlich unterschiedlicher Begriffe wie friend - girlfriend, fehlende Zusammenhänge (die im Originaltext enthalten sind), Ignorieren feiner Nuancen, völlig sinnfreie Passagen im Text aufgrund von Fehlinterpretationen durch die KI ...die Liste ist lang. Die meisten KI-Übersetzungen erreichen qualitativ nicht einmal annähernd das Niveau eines menschlichen Übersetzers.
In einer Sprache zu kommunizieren, in der man noch nicht einmal Grundkenntnisse besitzt, bringt Herausforderungen mit sich. So besteht nicht nur die Gefahr von Unannehmlichkeiten oder stockendem Gesprächsfluss. In manchen Fällen können Missverständnisse fatale Folgen haben, beispielsweise im medizinischen Bereich. Hier ist die Fähigkeit, das Gegenüber zu verstehen und sich klar auszudrucken, unverzichtbar.
Die KI ist in vielen Dingen hilfreich, stellt jedoch eine gewaltige Herausforderung dar - wenn auch anders als oft behauptet. Künstliche Intelligenzen ersetzen definitiv kein eigenes Wissen. Wenn wir keine Ahnung haben, kann die KI uns alles erzählen. In Zeiten von KI können wir uns nicht etwa zurücklehnen, sondern müssen sogar noch mehr leisten als früher. Überzogene Technikgläubigkeit ist fehl am Platz, denn eine KI kann geradezu darauf trainiert werden, die Nutzer in die Irre zu führen. Jeder Anwender hat die Möglichkeit, Fehlinformationen beizutragen, und sei es nur durch ein „Daumen hoch“ auf ein unzutreffendes Foto. Man möchte sich nicht ausmalen, was passiert, wenn dies im größeren Stil geschieht.
RomysSprachservice